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Beethovens Fünfte für zehn Instrumente im Landesmuseum Mainz: Tomáš Jamník, Cellist und ehemaliger Villa Musica-Stipendiat, spielte mit seinem Kollegen Václav Vonášek am Fagott und acht jungen Musiker*innen aus Tschechien und Deutschland (Foto: Robert Pfeifruk).

Beethoven 5

Standing Ovations für Beethovens Fünfte Sinfonie in der Steinhalle des Mainzer Landesmuseums. Zehn Musikerinnen und Musiker aus Deutschland und Tschechien spielten.

Kooperation mit Tschechien

Das Beethovenjahr 2027 wirft seinen Schatten schon voraus. Junge Virtuosinnen und Virtuosen der Villa Musica und der Tschechischen Kammermusikakademie spielten Beethovens „Schicksalssinfonie“ in einer Fassung für zehn Instrumente. Zwei der besten Musiker Tschechiens leiteten das Ensemble: der Prager Cellist Tomáš Jamník und der Fagottist Václav Vonášek, seines Zeichens Kontrafagottist bei den Berliner Philharmonikern. Die Proben und die ersten beiden Konzerte fanden in Mittelböhmen leiten, bevor das gesamte Ensemble zu drei Konzerten nach Rheinland-Pfalz kam. Es ist der bewährte Modus unserer mehr als zehnjährigen Kooperation mit Mittelböhmen und der in Prag angesiedelten Tschechischen Kammermusikakademie von Tomáš Jamník.

Beethoven, Reicha, Kirchner

Beethovens berühmteste Sinfonie mit nur fünf Bläsern und fünf Streichern zur vollen, schicksalsschweren Klangentfaltung zu bringen, ist dem jungen deutsch-tschechischen Dezett in überzeugender Weise gelungen – auch ohne Trompeten, Pauken und Posaunen, dafür mit kammermusikalischer Direktheit und einer begeisternden Ensemble-Leistung. Schon der berühmte Anfang war auf den Punkt gespielt, wuchtig, präsent und perfekt koordiniert. Die fünf Streicher verliehen den Tutti-Abschnitten das nötige Gewicht, ließen dagegen in den Cantabile-Passagen kammermusikalische Feinheit walten. Dadurch gewann das schöne Thema des zweiten Satzes eine Leichtigkeit und Wienerische Eleganz wie selten. Die Bläser entfalteten in der Akustik der Steinhalle eine erstaunliche Klangfülle, etwa im Hörnerthema des Scherzos, bei dem die brillante junge Hornistin vom Fagott-Dozenten und Klarinettisten unterstützt wurde. Wunderschön das Oboensolo im ersten Satz, blühend die Flötentöne im Andante. Tomáš Jamník und sein junger Kontrabass-Kollege verliehen dem Trio des Scherzos mit kräftigem Bogenstrich und Agogik unbändige Kraft. Selbst der schwierige Übergang ins strahlend helle C-Dur gelang, so dass dem mitreißenden Finale nichts mehr im Wege stand – zwischen Hörnerschall, gleißenden Piccolo-Tönen und aufgewühlten Tutti-Passagen. Nach dem perfekt gelungenen Schluss sprangen viele im Publikum spontan auf. Bravos und ein sehr langer, beglückter Applaus waren der Lohn für eine bravourös gelungene Beethoven-Sinfonie.

In der ersten Hälfte agierten Bläser und Streicher getrennt: zuerst die Bläser klassisch-klangschön in einem Quintett des Beethoven-Freundes Anton Reicha aus dem Jahr 1818, danach drei Streicher packend modern und dennoch tonal im Streichtrio des Mainzer Komponisten Volker David Kirchner von 1999. Tief bewegende Kirchnersche Klangspuren wechselten mit wütend-perkussiven Passagen ab und mündeten in einen traumhaft schönen Finalsatz.

Unsere Konzerte fanden in drei wunderschönen Spielstätten an Nahe, Rhein und Mosel statt: in der Römerhalle Bad Kreuznach, in der Steinhalle des Landesmuseums Mainz und heute um 18 Uhr in der Matthiaskapelle in Kobern-Gondorf hoch über dem Moseltal. Spielten die jungen Musiker hier gleichsam auf Tuchfühlung mit der römischen Antike und dem Mittelalter, so traten sie zuvor in tschechischen Schlössern aus Barock und Romantik auf: im Schloss Niměřice und in Vysoká, dem Sommerschloss des Grafen Kaunitz, in dessen Gartenhaus Antonín Dvořák seine Sommer verbrachte.

Freitag, 12.6. 19 Uhr – Bad Kreuznach, Römerhalle
Samstag, 13.6., 19 Uhr – Mainz, Landesmuseum
Sonntag, 14.6., 18 Uhr – Kobern-Gondorf, Matthiaskapelle
Václav Vonášek, Fagott | Tomáš Jamník, Violoncello | Junge Solisten der Villa Musica und der Tschechischen Kammermusikakademie
Antonín Reicha: Bläserquintett D-Dur, op. 91 Nr. 3
Volker David Kirchner: Streichtrio (1999)
Ludwig van Beethoven: Sinfonie Nr. 5 c-Moll, op. 67 (Dezett-Fassung)