Burgenklassik 2026
Ein kleiner Rückblick auf die Burgenklassik-Konzerte dieses Jahres.
17.5. Schubert auf Burg Rheinfels
Die fünf jungen Solist(inn)en vom Bürresheimer Freitagabend waren am Sonntag-Nachmittag auch im Museum der Burg Rheinfels hoch über Sankt Goar zu erleben: mit Schuberts grandiosem Streichquintett. Barbara Harnischfeger sammelte Eindrücke im Publikum: „Schuberts Streichquintett so hautnah zu erleben, in einer Akustik, die für die Zuhörer in den ersten Reihen den Sound wie aus einer maximal aufgedrehten Stereoanlage brachte, hat die Leute umgehauen. Hinter mir saß ein Mann, der sich von Anfang an outete: er sei immer nur in Sinfoniekonzerten gewesen. Am Ende war er sichtlich bewegt darüber was fünf Musiker hervorbringen, er war überwältigt. Aber es sind auch immer Leute da, die Kammermusik von Villa Musica von anderen Orten kennen, die aber die Atmosphäre bei Burgenklassik als zusätzlichen Kick empfinden. Was Villa Musica den jungen Instrumentalisten bringt und wie sich bei den Proben zu diesem Projekt zusammengefunden haben, das ließ ich Oliwia Meiser vor Beginn des Konzertes erzählen. So was gefällt dem Publikum, das schafft Nähe und Beteiligung.“ Berichtet die Vorsitzende von FREUNDE DER VILLA MUSICA e.V., die alle Konzerte der Burgenklassik im Namen des Freundeskreises pesönlich präsentiert. Auch Bürgermeister Falko Hönisch aus Sankt Goar begrüßte das Publikum im voll besetzten Museumssaal persönlich.
Schubert in Ungarn
Franz Schubert hat zwei Sommer seines Lebens in Ungarn verbracht, deshalb finden sich Spuren der ungarischen Musik noch in seinem Streichquintett von 1828, das vielen Kennern als das schönste und bewegendste aller seiner Streicherwerke gilt. Auf Burg Rheinfels spielten es fünf Kammermusik-Könner aus fünf europäischen Nationen: der spanische Geiger Luis María Suárez Felipe und seine österreichische Kollegin Sonja Bogner, der britische Bratschist Joon Hurh und die Cellisten Lukas Plag und Oliwia Meiser aus Deutschland und Polen. Die vielfach preisgekrönten Villa Musica-Virtuosen kombinierten das Schubert-Quintett mit zwei furiosen Streichtrios aus Ungarn: mit dem tänzerisch-leichten Intermezzo von Zoltán Kodály und der heiter-prickelnden Serenade des Ernö von Dohnányi – ein Programm wie geschaffen für einen Maisonntag hoch über dem Rhein.
Sonntag, 17.5., 17 Uhr – Burg Rheinfels, St. Goar
Luis María Suárez Felipe, Sonja Bogner, Violine
Joon Hurh, Viola | Oliwia Meiser, Lukas Plag, Violoncello
Zoltán Kodály: Intermezzo für Streichtrio
Ernö von Dohnányi: Serenade, op. 10
Franz Schubert: Streichquintett C-Dur, D 956
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24.5. Bach tanzt Tango auf der Marksburg
Am wärmsten Pfingstsonntag seit Menschengedenken fanden sich rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörer im holzgetäfelten Saal der Burgschänke neben der Marksburg ein, um einem ungewöhnlichen Duo zu lauschen. Barbara Harnischfeger präsentierte den Nachmittag im Namen von FREUNDE DER VILLA MUSICA e.V. und war genauso fasziniert wie der gesamte Saal:
„Die Menschen waren angetan bis begeistert, fanden die Geigerin hinreißend und die Kombination mit Akkordeon höchst interessant und wohlklingend. Ich habe Marko Trivunovic gebeten, das Instrument zu erklären. Er sagte, er könne alles so spielen auf dem Akkordeon wie es für Cembalo oder Klavier geschrieben ist, es brauche keine Transkriptionen. Und unsere Geigenstipendiatin Elisso Gogibedaschwili hat erzählt, wie sich beide kennen gelernt haben: Beim Deutschen Musikwettbewerb waren sie im Finale und kamen danach in die Konzertförderung des Deutschen Musikrats, wofür jeweils Ensembls gebildet werden. Andere Geigerinnen hätten sich dafür gleich einen Pianisten geschnappt, die seien schnell vergeben gewesen, sagte Elisso, und sie habe gedacht, Akkordeon sei was Besonderes, weshalb sie sich für Marko Trivunovic entschieden habe.“ (Barbara Harnischfeger)
In ihrem Pfingstprogramm schlugen die beiden jungen Musiker einen weiten Bogen von Bachs h-Moll-Sonate BWV 1014 bis hin zur Geschichte des Tango von Piazzolla. Da der große Argentinier Bachs Musik liebte und Bach seinerseits ein guter Tänzer gewesen sein muss, machte dieser Rahmen auch musikalisch Sinn. Denn dazwischen spielte das brillante Duo eine Mannheimer Sonate von Mozart und drei populäre Werke des 20. Jahrhunderts, die Alle tänzerischen Charakter haben: die Rumänischen Volkstänze von Bartók, die Suite italienne von Strawinsky und die Spanische Volkssuite von Manuel De Falla.
Was die beiden in ihrem Einführungstext zum Programm versprachen, konnten sie in ihrem Musizieren brillant und Funken sprühend einlösen: „Musik ist Bewegung in Klang. Sie atmet, tänzelt, schreitet und wirbelt. Sie folgt ihrem eigenen Pulsschlag, der sich durch die Jahrhunderte zieht: mal leise und gleichmäßig, mal eruptiv und kantig. Dieses Programm spürt dem Rhythmus durch verschiedene Zeiten nach – von barocker Linienkunst über klassisch-beschwingte Eleganz bis hin zu modernen Tango-Erzählungen. Der Tanz erscheint dabei nicht nur als Form, sondern als Spiegel von Charakter, Zeitgeist und kultureller Identität – voller Energie, Melancholie und improvisatorischem Atem..“
Pfingstsonntag, 24.5., 17 Uhr – Burgschänke der Marksburg, Braubach
Elisso Gogibedaschwili, Violine | Marko Trivunovic, Akkordeon
Johann Sebastian Bach: Violinsonate h-Moll, BWV 1014
Béla Bartók: Rumänische Volkstänze
Igor Strawinsky: Suite Italienne
Wolfgang Amadeus Mozart: Violinsonate G-Dur, KV 301
Manuel De Falla: Suite populaire espagnole
Astor Piazzolla: L’Histoire du Tango