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Stürmischer Applaus in der Steinhalle des Mainzer Landesmuseums: Vadim Gluzman und Evgeny Sinaiski mit den jungen Streichern Klaudio Zoto, Eike Coetzee und Julian Kainrath (Foto: Robert Pfeifruk).

Saisoneröffnung

Einer der besten Geiger der Welt eröffnete die neue Villa Musica-Saison am Freitag im Festsaal der Villa Ludwigshöhe und am Samstag in der Steinhalle des Mainzer Landesmuseums: Vadim Gluzman spielte mit seinem Klavierpartner Evgeny Sinaiski die Suite italienne von Strawinsky und Kammermusik-Werke mit preisgekrönten Stipendiaten der Villa Musica. Schloss Engers folgt am heutigen Sonntag, 4.10., um 17 Uhr.

Dvořák-Quintett

Prachtvoller Höhepunkt des Abends war das gewaltige Klavierquintett Opus 81 von Dvořák – ein spätromantischer Roman in vier Kapiteln, so triefend vor Schönklang, dass man seinen Ohren nicht traute. Allein schon den Streichersoli der drei Stipendiaten zu lauschen, war ein himmlisches Vergnügen: Wie Klaudio Zoto das Schubertisch innige Cellothema des ersten Satzes sang, wie Eike Coetzee das traurige Liedthema der Dumka mit satter Bratschen-Nostalgie anfüllte und Julian Kainrath die gar nicht raren Gelegenheiten nutzte, an der zweiten Geige hervorzutreten, war schlichtweg erstaunlich. Mit solchen jungen Mitspielern trat Vadim Gluzman sicht- und hörbar gerne aufs Podium und setzte allen Dvořákschen Themen den Glanz seines phänomenal runden, schönen Geigentons auf. Er ließ die ersten beiden Sätze in seinem Sostenuto voll unendlicher Nuancen aufblühen, um in Scherzo und Finale mit federleichtem Bogenstrich und irren Steigerungen aufzutrumpfen. Im Quartett zauberten die vier Streicher ein solches Klangfest in die Villa Ludwigshöhe und das Mainzer Landesmuseum, dass man sich selbst an den nebensächlichsten Begleitfiguren nicht satthören konnte. Evgeny Sinaiski gestaltete dazu einen durchweg lichten, weichen, singenden Klavierpart, mit den Streichern wunderbar verschmelzend, nie dominierend, aber an den großen Stellen auch symphonisch auftrumpfend. Diese Aufführung war nicht irgendein Dvořák-Quintett – es war die klanglich schönste Aufführing, die es vielleicht jemals bei der Villa Musica gab.

Strawinsky, Webern, Klein

In der ersten Hälfte des Abends trafen drei völlig unterschiedliche Werke der frühen Moderne aus den Jahren 1933, 1905 und 1944 aufeinander: erst die bissig-verspielte, das 18. Jahrhundert konterkarierende Suite italienne, in der sich Gluzman und Sinaiski einen meisterhaften Spaß aus Stawinskys Dissonanzen machten; dann der Langsame Satz für Streichquartett, in dem Gluzman und seine jungen Kollegen die schwelgerischen Liebesmelodien des jungen Webern in den Klang der Wiener Jahrhundertwende hüllten; schließlich das Streichtrio des tschechisch-jüdischen Komponisten Gideon Klein, komponiert 1944 von einem 24-jährigen Opfer der Nazi-Diktatur im Lager Theresienstadt. Dass hier die drei Stipendiaten unter sich blieben, hatte seinen tieferen Sinn: Auch sie sind Anfang 20 und konnten sich das Schicksal des jungen Klein im KZ so lebhaft ausmalen, dass sie in Tempo, Gestus, Brillanz und Emotion bis an die Grenzen gingen – eine Gänsehaut-Erfahrung auch für das begeistert applaudierende Publikum. Restlose Begeisterung am Ende nach dem Dvořák-Quintett – zwei unvergessliche Abende und ein perfekter Auftakt zur Jubiläumssaison 40 Jahre Villa Musica.

Freitag, 2.10.., 19 Uhr – Villa Ludwigshöhe Edenkoben

Samstag, 3.10., 19 Uhr – Landesmuseum Mainz

Sonntag, 4.10., 17 Uhr – Schloss Engers, Neuwied-Engers

Vadim Gluzman, Violine | Evgeny Sinaiski, Klavier | Die Villa Musica-Stipendiaten Julian Kainrath, Eike Coetzee und Klaudio Zoto (Violine, Viola, Violoncello)

Igor Strawinsky: Suite italienne
Anton Webern: Langsamer Satz für Streichquartett
Gideon Klein: Streichtrio
Antonín Dvořák: Klavierquintett A-Dur, op. 81