Brahms mit Horn
Přemysl Vojta und Boris Kusnezow waren das Professorenduo für ein perfektes Programm zur Austreibung des Winters: dramatischer Smetana, jubelnde Hornfanfaren bei Brahms und das fantastische Sextett des Ungarn Dohnányi.
27.2.-1.3. Brahms mit Horn
Es war eine hoch virtuose und brillant mitgehende Schar von Villa Musica-Stipendiat(inn)en, die der Essener Horn-Professor Přemysl Vojta und der Leipziger Kammermusik-Professor Boris Kusnezow am letzten Februar-Wochenende um sich geschart hatten. Volles Haus in Oberwesel und Meisenheim, viele begeisterte Zuhörerinnen und Zuhörer auch im Augustinum in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Ein Familiendrama im tschechisch-lisztschen Stil eröffnete den Abend: das g-Moll-Klaviertrio von Smetana, geschrieben 1855 als schmerzensreiche Hommage an seine mit viereinhalb Jahren verstorbene Tochter Friederike. Schon hier bewiesen die Pianistin Sofia Semenina und ihre Mitspieler aus dem Kreis der Villa Musica-Stipendiaten ihre Sonderklasse: der Berliner Geiger Cord Koss und der schottische Cellist Hugh MacKay.
Die beiden Dozenten widmeten sich dem Hauptstück des Abends: dem traumhaft schönen Horntrio Opus 40 von Brahms aus dem Jahr 1865. Die Baden-Badener Waldstimmungen im zauberhaften ersten Satz, das irrlichtene Scherzo, die tiefe Trauer des Adagio mesto und die jubelnden Jagdfanfaren des Finales wurden von Přemysl Vojta und Boris Kusnezow so überlegen und deutlich gezeichnet, dass auch der Geiger Cord Coss ganz in den Sog des jungen Brahms geriet. Bravos und begeisterter Applaus vor der Pause.
Geradezu berstend vor guter Laune klang das überschäumende Finale des packenden Programms: das Sextett des großen Ungarn Ernö von Dohnányi. Der Großvater des jüngst verstorbenen Dirigenten Christoph und des Hamburger Politikers Klaus von Dohnányi vereinte in seinem 1935 komponierten Sextett für Horn, Klarinette, Klavier und Streicher Wiener Spätromantik mit Jazz und theatralischem Humor. Souverän gestaltend saß wieder – wie schon im Klaviertrio von Smetana – die junge Pianistin Sofia Semenina am Flügel. Mir ihr spielten Cord Koss, Céline Eberhardt und Hugh MacKay im Streichtrio, Matija Reicevic an der Klarinette und Dozent Přemysl Vojta am Horn. Prachtvoller und fröhlicher hätte ein Konzert zum Ende des Winters nicht ausklingen können.
Freitag, 27.2., 19 Uhr – Kulturhaus Oberwesel
Samstag, 28.2., 19:30 Uhr – Augustinum Bad Neuenahr-Ahrweiler
Sonntag, 1.3., 17 Uhr – Haus der Begegnung Meisenheim
Johannes Brahms: Horntrio Es-Dur, op. 40
Bedrich Smetana: Klaviertrio g-Moll, op. 15
Ernö von Dohnányi: Sextett C-Dur, op. 37