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Glückliche Schubert-Interpreten in Zweibrücken (von rechts): Celloprofessor Jens Peter Maintz, Geigerin Mascha Wehrmeyer, Pianistin Yanjun Chen, Cellistin Cosima Federle, Bratschist Eike Coetzee und Geiger Johannes Brzoska (Foto: Robert Pfeifruk).

Schubertiade

Ein reines Schubert-Programm mit dem Meistercellisten Jens Peter Maintz aus Berlin und einem wunderbaren Stipendiatenquintett der Villa Musica in Rolandseck, Bad Bergzabern und Zweibrücken.

25 Jahre bei Villa Musica: Jens Peter Maintz

Vor 25 Jahren, im Februar 2001, gab ein damals schon sehr renommierter Cellovirtuose aus Hamburg sein Debüt als Dozent bei Villa Musica: Jens Peter Maintz. Sieben Jahre später kehrte er wieder und spielte das große C-Dur-Streichquintett von Franz Schubert mit damaligen Stipendiaten – nur zwei von etlichen Projekten, die er als Dozent bei Villa Musica gestalten sollte. Heute zählt Jens Peter Maintz als Professor in Berlin und als weltweit konzertierender Solist zu den Koryphäen des Cellos. Die Liebe zu Schubert hat er sich bewahrt: Am vergangenen Wochenende spielt er das C-Dur-Quintett aus Schuberts letztem Lebensjahr 1828 – mit jungen Streicher(inn)en einer neuen Villa Musica-Generation. Dem großen Quintett gingen in der ersten Konzerthälfte drei frühere Beispiele aus Schuberts Kammermusik voraus: ein Streichtriosatz des 19-jährigen von 1816, das sogenannte Notturno für Klaviertrio von 1827 und die Arpeggione-Sonate von 1824. Pures Schubert-Glück in vier Teilen.

Schubertiaden damals und heute

Mit ihrer Schubertiade feierten Maintz und seine jungen Kolleg(inn)en den 229. Geburtstag des Komponisten. Schubert kam am 31. Januar 1797 im Himmelpfortgrund zur Welt, heute im 9. Wiener Bezirk gelegen. Dass dieser Lehrersohn aus der Wiener Vorstadt einmal zum Mittelpunkt literarisch-musikalischer Abende mit dem Titel Schubertiaden aufsteigen würde, war ihm nicht in die Wiege gelegt. Es waren seine innigen Lieder, die seine Zeitgenossen so in den Bann zogen, dass man sich in Salons und Schlössern versammelte, um seiner Musik zu frönen. In diesen Schubertiaden durfte Klaviermusik, zwei- wie vierhändig, nie fehlen, und auch Kammermusik wurde in die gemischten Programme aufgenommen. Die ernsteren Untertöne dieser Treffen entgingen selbst der wachsamen Geheimpolizei im Österreich des Fürsten Metternich: Unter dem harmlosen Titel Schubertiade trafen sich Schuberts Freunde in Linz und Graz, Wien und St. Pölten zu scheinbar zwanglosen Abenden mit Musik, die in Spiel und Punsch ausklangen. In Wahrheit konnten sich hier unter dem Deckmantel der Musik liberales Heimatgefühl und Patriotismus entfalten. Schuberts Musik wurde zum Sprachrohr für unterdrückte Sehnsüchte nach Freiheit und Selbstbestimmung im Polizeistaat der Restaurationsära.

Auch bei unserer Schubertiade anno 2026 ging es freundschaftlich zu: Bei den Proben in Schloss Engers haben Jens Peter Maintz und seine jungen Mitspiler(inn)en intensiv an den Werken gefeilt, dazwischen aber auch gekocht und gechillt. Johannes Brzoska und Mascha Wehrmeyer an den Geigen, Eike Coetzee an der Bratsche und Cosima Federle am Cello, nicht zuletzt die Pianistin Yanjun Chen – sie alle durften eine knappe Woche im Geist Schuberts verbringen. Schuberts Seelenmusik, die im Freundschaftskult der Romantik eine ihrer Wurzeln hat, entfaltet ihren Zauber auch knapp 200 Jahre nach dem Tod des Komponisten. 

Freitag, 30.1.2026, 18 Uhr – Remagen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Samstag, 31.1.2026, 19 Uhr – Bad Bergzabern, Haus des Gastes
Sonntag, 1.2.2026, 18 Uhr – Zweibrücken, Festhalle (Wintergarten)

Jens Peter Maintz, Violoncello (Dozent)

Stipendiat(inn)en der Villa Musica: Yanjun Chen, Klavier | Johannes Brzoska und Mascha Wehrmeyer, Violine | Eike Coetzee, Viola | Cosima Federle, Violoncello

Franz Schubert: Streichtriosatz B-Dur, D 471
Notturno Es-Dur, D 897
„Arpeggione-Sonate“ a-Moll, D 821
Streichquintett C-Dur, D 956