News

Lächelnder Cellist mit der Sonne seiner Heimat im Herzen: Tomas Jamnik.

Mainzer Musiksommer

Villa Musica macht's möglich: Der Musikaustausch über Europas Grenzen hinweg kann wieder stattfinden und bescherte dem Mainzer Publikum einen goldenen Konzertabend zur Eröffnung des Musiksommers.

Goldenes Prag

Goldenes Prag hieß das Motto des Eröffnungskonzerts beim Mainzer Musiksommer: Golden glänzte das Podium im Glanz der Harfe im großen Saal des Mainzer Schlosses. Die junge Polin Amelia Tokarska bewies an der Goldharfe, dass sie noch rhythmischer und noch expressiver spielen kann als ihre Duo-Partnerin an der Flöte. In Mozarts Doppelkonzert mischten sich ihre perlenden Harfenklänge aufs schönste mit den Silbertönen der Prager Flötistin Sylvie Schelingerová. In Dvořáks Lied an den Mond zauberte Tokarska einen waldrauschenden Klanggrund für die goldenen Töne der Mainzer Sopranistin Sonja Grevenbrock. Die Absolventin der Mainzer Musikhochschule und Schülerin von Claudia Eder trat im dunkelgrün schimmernden Kleid auf, um die Sehnsucht der Wassernixe Rusalka nach ihrem Liebsten zu besingen – so souverän, rund und voll im Klang, wie es auch die berühmten Sopranistinnen der Gegenwart kaum schöner vermocht hätten. Eine Sternstunde unter dem musikalisch gemalten Vollmond.

Im kleinen Orchester des Abends waren die Musikerinnen und Musiker aus Prag in der Überzahl. Sie kamen von der Tschechischen Kammermusikakademie, im Doppeldirigat geleitet von deren Gründer Tomáš Jamník am Cello und dem wunderbar agilen Konzertmeister Andreas Feldmann. Unter den Auspizien der niedrigen Inzidenzen hatten sie die Reise nach Deutschland gewagt - ins Schloss Engers, wo sie mit wenigen Villa Musica-Streichern ein Kammerorchester formierten. Es ist wieder möglich: Der Musikaustausch über die Grenzen hinweg, das gemeinsame Musizieren von Top-Solisten der jungen Generation bei Villa Musica. Mit dem Programm Goldenes Prag gastierte das tschechisch-deutsche Kammerorchester am Freitag im Koblenzer Schloss beim Festival RheinVokal. In der neuen Woche ziehen die Musiker weiter nach Tschechien, zuerst ins Lokowitz-Palais von Dvořáks Geburtsstadt Nelahozeves. 

Den Mainzer Abend leitete Andreas Feldmann vom ersten Geigenpult aus höchst flexibel und musikalisch – in der Streicherserenade von Dvořák eine Herausforderung. Im Scherzo war das Ergebnis so lebendig und mitreißend, dass die Zuhörer spontan applaudierten. VIel Applaus gab es danach für drei wunderschön gesungene Mozartarien, in denen Sonja Grevenbrock ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellte: In Susannas „Rosenarie“ zeigte sie perfektes Legato und feinste Nuancen in der Liebessehnsucht einer Sommernacht. In Zerlinas „Batti, batti, o bel Masetto“ schaltete sie um auf die kokette Naive, die mit den Gefühlen ihres Verlobten spielt. Zum Buffo-Ton der Sängerin gesellte sich der edle Celloklang von Tomáš Jamník. Das Cellosolo dieser Arie hört man im Opernhaus selten so edel gerundet und sauber singend wie hier. Zum Abschluss des Mozartschen Arientrios sang Sonja Grevenbrock Servilias Arie aus La clemenza di Tito – goldglänzend im typischen Sostenuto der Claudia Eder-Schule. Das Mozartgold glänzte an diesem Abend noch heller als der Silbermond über den Werken von Dvořák. Nun können die weiteren Konzerte des Mainzer Musiksommers kommen.

Samstag, 17.7., 19 Uhr - Kurfürstliches Schloss Mainz

Sonja Grevenbrock Sopran | Tomáš Jamník Violoncello und Leitung | Kammerorchester aus Stipendiat*innen der VILLA MUSICA und der TSCHECHISCHEN KAMMERMUSIKAKADEMIE

Mozart: Arien aus Prager Opern (Don Giovanni, La clemenza di Tito, Le nozze di Figaro), Konzert für Flöte und Harfe C-DUr, KV 299

Dvořák: Streicherserenade E-Dur, op. 22; Lied an den Mond aus Rusalka