Midori in Mainz
Es war ein unverhofftes Geschenk: das Sonderkonzert der Weltklasse-Geigerin Midori in der Villa Musica am 23. Oktober.
Festlicher Nachmittag in der Villa Musica
Manche Geschenke sind zu schön, um wahr zu sein: Midori, die japanische Geigerin, die in den USA zur lebenden Legende des Klassikbetriebs geworden ist, bot unserer Künstlerischen Leiterin ein kostenloses Konzert in der Villa Musica an. Auf dem Weg von Deutschland nach London, wo sie die englische Erstaufführung eines neuen Auftragswerkes spielen wollte, bot sich Mainz als Ort einer Voraufführung an – durch die Nähe zum Flughafen und durch die intime Festlichkeit der Villa Musica in der Oberstadt. Ervis Gega sagte sofort zu und nutzte das Sonderkonzert am Freitagnachmittag zu einer Einladung an ausgewählte Ehrengäste. So fanden sich - parallel zum Sturmtief Luise - etliche Freunde und Förderer der Villa Musica aus Mainz und Umgebung auf der Bastei ein, um einen glanzvollen, aber auch tief bewegenden Nachmittag zu genießen.
Grieg, Escaich und Schumann
Schon in der zweiten Griegsonate – ein seltener Gast auf deutschen Konzertprogrammen – verbreitete Midori den berühmten, samtig weichen Glanz ihres Tons, im traumwandlerischen Dialog mit ihrem brillanten Klavierpartner Özgür Aydin aus Berlin. Danach wurde die viersätzige Violinsonate Träumereien des einsamen Wanderers von Thierry Esaich für etliche Zuhörerinnen und Zuhörer zum Höhepunkt des Konzerts. Was der Organist der Pariser Kathedrale Notre-Dame und Komponist moderater Gegenwartsmusik dem Bogen und den Saiten von Midori auf den Leib geschrieben hat, ist eine so packende Reise durch französische Poesie und träumerische Landschaften, dass alle wie gebannt zuhörten. Midoris eigene, im Programmheft abgedruckte Einführung trug zum Verständnis des Werkes wesentlich bei. Keine Frage: Auch die Londoner werden von dieser Neuheit begeistert sein.
Mozarts e-Moll-Sonate, sehr weich und romantisch gespielt, diente als Intermezzo vor der großen d-Moll-Sonate von Schumann. Was einst anno 1851 zu Düsseldorf erdacht wurde, mundete auch in Mainz am Rhein vorzüglich – ganz so wie die Weine nach dem Konzert. Wahrhaft meisterlich gespielt, war das gesamte Konzert ein Eintrag ins unvergessliche Poesiealbum der Villa Musica.
Festliches Beisammensein rundete den Abend umso gemütlicher ab, je mehr draußen vor den Türen das Sturmtief an Fahrt aufnahm. Derweil waren Midori und Özgür Aydin schon auf dem Weg nach London. (Karl Böhmer)
Freitag, 23.10., 159 Uhr – Villa Musica Mainz
Midori und Özgür Aydin im Sonderkonzert
Edvard Grieg: Violinsonate Nr. 2 G-Dur, op. 13
Thierry Escaich: Rêveries du promeneur solitaire (2026)
Wolfgang Amadeus Mozart: Violinsonate e-Moll, KV 304
Robert Schumann: Violinsonate d-Moll, op. 121