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Staatsekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck und Prof. Ervis Gega (links) mit Ministerin Katharina Binz, Ministerpräsident Alexander Schweitzer und den Landtagsabgeordneten Lara Horstmann und Manuel Liguori (Foto: Maike Hessedenz).

Schubert in Mainz

Es war der Abend des Franz Schubert: das Auftaktkonzert zum Jubiläum 40 Jahre Villa Musica im Landesmuseum Mainz mit Midori und ihrem Klaviertrio. 

Melodie wie von Liedern

„Ein Blick auf das Trio von Schubert – und das erbärmliche Menschentreiben flieht zurück und die Welt glänzt wieder frisch.“ So hat Robert Schumann die Wirkung des B-Dur-Klaviertrios von Franz Schubert beschrieben. Als die GRAMMY®-Preisträgerin Midori mit dem Pianisten Jonathan Biss und dem Cellisten Antoine Lederlin im Landesmuseum Mainz beide Schubert-Trios spielte, standen dem Publikum die Tränen in den Augen. So subtil ausgeleuchtet, romantisch geheimnivoll und singend in jedem Takt hat man diese gewaltigen Werke bei Villa Musica noch nie gehört. Maximales Klassik-Glück durch drei Spitzenkönner der Kammermusik.

Allein zu hören, wie Pianist Jonathan Biss Schuberts perlende Läufe und seine selig singenden Melodien mit zartester Weichheit auf die Tasten zauberte, um im richtigen Moment sinfonisch aufzutrumpfen, war ein seltener Genuss. Unter seinen Händen wurden „die Tasten zu singenden Stimmen“, wie es Schuberts höchstem Ideal des Klavierspielers entsprach.

Darüber Geigen-Weltstar Midori und Cellist Antoine Lederle vom Belcea Quartet im innigen Zwiegespräch: sie oft zurückgenommen, mit kontrollertem Cantabile und fein dosierter Brillanz, er eloquent und rhetorisch, tenoral singend in den innigen Wendungen und klanglich subtil sich einfügend in den Trioklang.

Auch dramaturgisch waren diese Interpretationen wie aus einem Guss, im Riesenbogen der Formen ebenso wie im tief berührenden Detail. Das Es-Dur-Trio wirkte im ersten Satz tatsächlich wie eine „zürnende Himmelserscheinung“, das überirdisch traurige Andante dagegen wie ein „Seufzer, der sich zur Herzensangst steigern möchte“ – so wieder Schumanns Worte. Midoris Schubert wirkte „im Ganzen sehr weich, aber von der Art, dass einem Melodie bleibt wie von Liedern, ganz Empfindung und ganz ausgesprochen." So hat der Maler Moritz von Schwind die Kammermusik seines Freundes Schubert beschrieben. Um das Liedhafte zu unterstreichen, fügten die Interpreten Schuberts Notturno D 897 als Zugabe an – seliges Singen in zu Tränen rührenden Tönen. Dermaßen tief bewegt hat man das Villa Musica-Publikum in Mainz noch selten aus einem Konzert kommen sehen.

Auftakt zum Villa-Jubiläum

Schon seit Monaten war dieses Schubert-Konzert restlos ausverkauft, denn es diente als Auftakt-Abend zum Jubiläum 40 Jahre Villa Musica. Um der rheinland-pfälzischen Landesstiftung für Kammermusik zum runden Geburtstag zu gratulieren, kamen 160 Schubert-Fans aus dem Stammpublikum und 50 Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Kulturleben. Der Vorstandsvorsitzende der Villa Musica begrüßte: Kulturstaatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck schlug einen Bogen von der Erinnerungskultur des 27. Januar zum kulturellen Auftrag der Landesstiftung.

Ministerpräsident Alexander Schweitzer lobte die Villa Musica als unverzichtbare Säule des Kulturlebens in Rheinland-Pfalz: „Rheinland‑Pfalz ist Musikland mit lebendigen und vielseitigen Musikszenen. Musik spielt in unserem Land eine herausragende Rolle. Die Landesstiftung Villa Musica nimmt hierbei eine herausragende Stellung ein. Sie verknüpft ein flächendeckendes Konzertangebot mit der Spitzennachwuchsförderung in der klassischen Musik und besitzt damit ein einzigartiges Profil innerhalb Deutschlands“, sagte der Ministerpräsident.

Ministerin Katharina Binz kündigte ein neues Projekt der Stiftung für das Land an: In der Hans Gál Jugendakademie Mainz werden das Peter Cornelius Konservatorium und die Villa Musica zusammenarbeiten, um gezielt herausragende Musikbegabungen im ganzen Bundesland aufzuspüren und an die große weite Welt der Klassik heranzuführen. Nach 40 Jahren der bewährten Spitzenförderung von Top-Studenten Mitte Zwanzig nun eine Erweiterung auf Klassiktalente aus dem Land im Alter zwischen 12 und 18 – ein wichtiges Signal für die Zukunft.

In der Pause und nach dem Konzert versammelten sich Ehrengäste und Publikum rund um die Künstlerische Leiterin Prof. Ervis Gega und den Vorstandsvorsitzenden. Es wurde eifrig über Kultur und Musik diskutiert, über 40 Jahre Villa Musica und was die Zukunft bringen wird. Beim großen Jubiläumskonzert am 12.11.2026 – einen Tag nach dem 40. Geburtstag der Stiftung – werden diese Themen im Kleinen Haus des Staatstheaters auf die Bühne gebracht. Das Programm dazu ist noch Top Secret.

Dienstag, 27.1., 19 Uhr – Landesmuseum Mainz
Midori, Violine | Jonathan Biss, Klavier | Antoine Lederlin, Violoncello
Franz Schubert: Klaviertrios in B und Es, D 898 und 929