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Johannes Pramsohler (links) im Dianasaal von Schloss Engers mit seinen sieben Mozartist(inn)en: Serena Hart (Sopran), Kaori López Shinohara (Violine), Olakesandr Ahafonov (Viola), Annike Debus (Mezzosopran), Yeunwoo Park (Viola), Antonia Feurstein (Sopran), Johann Eilrich (Violoncello). Foto: Robert Pfeifruk.

Mozart-Akademie

Purer Genuss mit Mozart: Der gefeierte Barockgeiger und Dirigent Johannes Pramsohler gestaltete mit vier fantastischen jungen Streicher(inne)n der Villa Musica und drei jungen Sängerinnen unsere herbstliche Mozart-Akademie als Rendezvous zwischen Kammermusik und Oper. Ob bei edlen Ingelheimer Weinen, als Gala im prachtvollen Dianasaal von Engers oder als Hüttenhaus-Konzert in Herdorf – in allen Spielstätten entfaltete die Musik von Mozart und seinem Zeitgenossen Francesco Bianchi ihren vollen Zauber.

Streichquintett C-Dur

Frischzellenkur für KV 515: Im Mozartschen C-Dur-Quintett spielten unsere vier Streicherstipendiaten dem Primarius Pramsohler die Bälle genauso virtuos zurück, wie er sie vorlegte – mit weniger Vibrato als sonst, schlanker, zügiger und mehr parlando als pesante. Dadurch wirkte schon der riesige Kopfsatz kurzweiliger als üblich. Cellist Johann Eilrich gab das Cellosolo so souverän vor, dass die vier Oberstimmen nur noch reagieren mussten. Johannes Pramsohler verstand sich prächtig mit seiner zweiten Geigerin Kaori López Shinohara. An den Bratschen hielten Oleksander Ahafonov und Yeunwoo Park so selbtbewusst und klangprächtig dagegen, wie man es selten hört, und Eilrich gestaltete den Cellopart auch dann mit allen Nuancen Mozartscher Stimmführung, wenn er nicht führte. So wirkte auch das Menuett beschwingter als üblich, das Finale regelrecht furios im brillanten Allegro-Tempo. Höhepunkt der Aufführung war das Duett zwischen Pramsohler und Ahafonov im Andante. Bei diesem Dialog – sprechend ausdrucksvoll bis in die Fingerspitzen der Verzierungen hinein – wurde unmittelbar hörbar, was Mozarts Kammermusik mit seinen Opern zu tun hat.

Sechs Arien von Mozart und Bianchi

Apropos Oper: Erste Erfahrungen in Hochschul- und Theaterproduktionen brachten alle drei Sängerinnen des Abends schon mit zur Villa Musica. Das freilich machte die Aufgabe, selten gesungene Arien aus Mozarts Münchner Opern und nie gesungene Glanzstücke von Francesco Bianchi aufzuführen, nicht leichter. Claudia Eder, die langjährige Gesangsprofessorin der Mainzer Musikhochschuile, präparierte die drei jungen Stimmen aufs Beste fürs Podium, so dass sie glänzen konnten: Sopranistin Serena Hart überzeugte mit blitzblanken Koloraturen in Bianchis Bravourarie Sventurata in tanti affanni. Ihre Kollegin Antonia Feurstein bezauberte das Publikum mit zwei hinreißend gesungenen Charakterbildern von Serpetta und Elettra in Mozarts schönsten Münchner Melodien. Mezzosopranistin Annike Debus wagte sich ans schwere Fach der Opera seria und hinterließ in Bianchis c-Moll-Arie Non v'è più barbaro einen bleibenden Eindruck von drängender Dramatik – eine Arie, die seit ihrer Uraufführung 1774 in Cremona niemand mehr gesungen hat, was sicher nicht an der eindrucksoll erregten Musik liegt. Manch einer im Publikum wird sich gewundert haben, dass so junge Sängerinnen so schwere Arien so schön uund seelenvoll singen können. Das lag freilich auch an der quicklebendigen Begleitung durch fünf hellwache Streicher.

Große Begeistertung im Publikum, auch nach dem Mailänder C-Dur-Quartett des 16-jährigen Mozart. In Ingelheim trugen vorzügliche Tropfen vom Bioweingut Weitzel und heitere Mozarttexte, gelesen von Ervis Gega, zum Genuss des Abends bei. (Karl Böhmer)

Freitag, 16.10., 19 Uhr – Hüttenhaus Herdorf
Samstag, 17.10., 19 Uhr – Schloss Engers
Sonntag, 18.10., 17 Uhr – Winzerkeller Ingelheim

Johannes Pramsohler, Violine | Claudia Eder, Gesangsdozentin

Stipendiat*innen der Villa Musica Rheinland-Pfalz:
Kaori Lopez, Violine
Oleksander Ahafonof und Yeunwoo Park, Viola
Johann Eilrich, Violoncello

Junge Sängerinnen:
Antonia Feurstein und Serena Hart, Sopran
Annike Debus, Mezzosopran

Wolfgang Amadeus Mozart:
Streichquartett C-Dur, KV 157

Zwei Arien aus La finta giardiniera, KV 196:
„Chi vuol godere“, Arie der Serpetta
„Geme la tortorella“, Cavatina der Sandrina

Arie aus Idomeneo, KV 366:
„Idol mio, se ritroso“, Arie der Elettra

Francesco Bianchi:
Drei Arien aus Opere serie:
„Sventurata in tanti affetti“ aus Alonso e Cora (Venedig 1786)
„Non v’è più barbaro“ aus Demetrio (Cremona 1774)
„Tergi, o cara, il dolce pianto“ aus Venere e Adone (Florenz 1781)

Wolfgang Amadeus Mozart:
Streichquintett C-Dur, KV 515