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Viel Applaus für vier junge Mozart-Virtuosen: Lir Vaginsky, Daniël Spies, Eike Coetzee und Oliwia Meiser am 3. Mai in der vollbesetzten Paulskirche (Foto: Oliver Kupilas).

Mozart in Kibo

Kirchheimbolanden am ersten Maisonntag: Flötenquartette und Streicherwerke von Mozart in der barocken Paulskirche, wo er 1778 an der Orgel saß.

Benefizkonzert für eine Mozart-Kirche

Da sage nur einer, Mozart sei kein „Seller": Fast 200 Zuhörerinnen und Zuhörer ließen sich vom Slogan Mozart in Kirchheimbolanden in die barocke Paulskirche locken. Der hohe lichte Kirchenbau aus dem Jahr 1744 war einst lutherische Schlosskirche der Fürsten von Nassau-Weilburg und ist bis heute eine der wenigen unzerstörten Mozart-Spielstätten in Deutschland: Eine knappe Woche verbrachte Mozart Ende Januar 1778 in der Residenzstadt, spielte 12 mal am Flügel in den abendlichen Akademien der Fürstin Caroline und einmal an der Stumm-Orgel der Paulskirche. Grund genug für die Villa Musica, sich mit einem Benefizkonzert an der neuen Initiative zur Rettung der Kirche als Ort der Kultur zu beteiligen.

Das Mozart-Konzert der Villa Musica wurde zum glanzvollen Auftakt einer ganzen Reihe von Konzerten, die im Lauf des Jahres diesem Zweck dienen sollen, wie die Bezirkskantorin Ulrike Heubeck zu Beginn berichtete. Kultur-Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck wies auf die Chancen hin, die Kirchheimbolanden als Mozart- und als Gartenstadt für die Zukunft habe. Prof. Ervis Gega, die Künstlerische Leiterin der Villa Musica, beschrieb den Zauber des Ortes, der als europäisches Kulturerbe unbedingt erhalten werden müsse. Dafür haben sich großzügige Geldgeber wie das Ehepaar Hoffmann und erfahrene Kulturgestalter wie Detlof Graf von Borries zu einer Stiftung in Gründung zusammengeschlossen. Sie wird in Zukunft Eigentümerin der Paulskirche sein, wozu die Landesstiftung Villa Musica mit dem Erlös ihres Benefizkonzerts schon jetzt einen kleinen Grundstein gelegt hat.

Vier junge Virtuosen für Mozart

Dem kulturpolitischen Vorspann und dem guten Zweck entsprach das souveräne Musizieren der vier Villa Musica-Stipendiaten aus vier Nationen. Die Geigerin Lir Vaginsky aus Israel, der Bratschist Eike Coetzee aus Namibia, die Cellistin Oliwia Meiser aus Polen und der Flötist Daniël Spies aus Südafrika ließen es technisch an Nichts fehlen – vier erstaunlich reife Solisten im Ton kammermusikalischer Konversation. Eine knappe Stunde lang führten sie das Publikum durch Mozarts Kammermusik – auf die denkbar heiterste und brillanteste Weise. Vom galanten, noch sehr Mannheimerischen G-Dur-Flötenquartett über das pointierte Salzburger G-Dur-Duo bis hin zu zwei köstlich musizierten Sätzen aus dem großen Wiener Es-Dur-Divertimento für Streichtrio durfte man sich an reinem Mozart erfreuen. Krönender Abschluss war das D-Dur-Flöenquartett. Der junge Flötist Daniël Spies zog das Publikum mit glänzenden Passagen und einem hinreißend schönen h-Moll-Adagio unwillkürlich in seinen Bann. Bravos und viel Applaus waren die Belohnung, während die zufriedenen Gesichter der Verantwortlichen verrieten, dass hier eine gute Tat für einen lauteren Zweck glänzend in die Tat umgesetzt wurde.

Mozart-Tag der FREUNDE

Auch 40 Freundinnen und Freunde der Villa Musica durften nach einem „Mozart-Tag“ mit Barbara Harnischfeger und Karl Böhmer zufrieden die Heimreise antreten. Sie hatten in den Stunden vor dem Konzert Einiges über Mozarts unbeschwerte Ferienwoche vom Januar 1778 erfahren, über sein Klavierspiel im Schloss und sein Orgelspiel in der Paulskirche, über seinen 22. Geburtstag und die Gesangskünste seiner großen Liebe Aloysia Weber. Was Fürstin Caroline von Nassau-Oranien betraf, die Schlossherrin und frühe Förderin von Mozart, ging es auch um ihre königlichen Vorfahren. Als Tochter der Händel-Schülerin Princess Anne und Enkelin von King George II war sie ein britischer „Royal“ und eine fantastische Cembalistin – typisch für eine Nichte Friedrichs des Großen. Wie schwierig es freilich ist, im heutigen Kirchheimbolanden das Terrain ihrer einstmals so glanzvollen Hofhaltung zurückzugewinnen, davon berichtete Dr. Lydia Thorn-Wickert, Initiatorin einer hoch renommierten Klavierreihe in Kirchheimbolanden und Streiterin für das kulturelle Erbe rund ums ehemalige Schloss. Sie gab den FREUNDEN Einsichten in ihr großes Projekt, die Rekonstruktion des barocken Terrassengartens, und in die schwierige Gemengelage kultureller Initiativen in einer 8.000-Einwohnerstadt. Nach einem kurzen Spaziergang durch die barocken Straßenzüge kehrten die FREUNDE im ersten Café vor Ort ein und konnten erahnen, dass Mozart in der Nordpfalz auch kulinarisch nicht darben musste. Da sage nur einer, die Mozartstadt Kirchheimbolanden sei nicht jeden Ausflug wert!

Sonntag, 3.5, 17 Uhr – Paulskirche Kirchheimbolanden
Daniël Spies, Flöte | Lir Vaginsky, Violine | Eike Coetzee, Viola | Oliwia Meiser, Violoncello
Wolfgang Amadeus Mozart:
Flötenquartett G-Dur, KV 285a
Duo für Violine und Viola G-Dur, KV 423
Menuetto II und Rondo aus dem Divertimento Es-Dur, KV 563
Flötenquartett D-Dur, KV 285