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Er öffnet seine Pforten nicht nur für Konzerte der Villa Musica: der prachtvolle Dianasaal im Herzen von Schloss Engers.

Museum Schloss Engers

Frühlingszeit ist Ausflugszeit – auch am rechten Rheinufer bei Neuwied, um sich dort die Schönheiten von Schloss Engers anzusehen. Neben dem Prunkstück des Schlosses, dem prachtvollen Dianasaal, lohnen auch das Treppenhaus, das Rosenkabinett oder das Apartement des Kurfürsten einen Ausflug nach Neuwied-Engers. Die Beletage des Schlosses beherbergt historische Möbel der Röntgenzeit, wertvolle Gemälde von Januarius Zick, Porträts der trierischen Kurfürsten sowie historische Glockenflügel der Hofpianofortefabrik Carl Mand.

Die historischen Räumlichkeiten von Schloss Engers können an Sonn- und Feiertagen von 14-17 Uhr besichtigt werden (in Kooperation mit der Generaldirektion Kulturelles Erbe). Infos: 02622 / 9264117.

Schloss Engers anno dazumal und heute

von Karl Böhmer

Wer immer sich heute Schloss Engers von der Landseite nähert, wird vom spektakulären schmiedeeisernen Hofgitter empfangen. Über dem besonders prachtvoll gestalteten Eingangstor hat der Bauherr Johann Philipp von Walderdorff, Kurfürst und Erzbischof von Trier, sein Wappen abringen lassen. Es wiederholt sich im geschwungenen Giebelfeld des Mittelrisalits, einer typischen Konstruktion des Balthasar-Neumann-Schülers Johann Seiz. Die beiden Wappen zeigen überdeutlich, dass Walderdorff mit diesem Schloss-Neubau seinen eigenen Akzent setzen wollte – bewusst auf der rechten Rheinseite, jenseits der Lustschlösser seiner Vorgänger. Aus dem Schatten der bauwütigen Schönborns herauszutreten, war für den Grafen aus dem Westerwald nicht leicht, doch sowohl in Engers wie auch im Residenz-Neubau zu Trier setzte er seine eigenen Rokoko-Akzente. Für das spätere Schicksal des Schlosses war die Wahl der kurtrierischen Enklave Engers unweit von Neuwied entscheidend, aber auch für die Nutzung des Schlosses. So konnte der leidenschaftliche Jäger Walderdorff im nahen Westerwald seiner Leidenschaft frönen.

Als 1995 die Villa Musica hier einzog, verband sich das Schloss alsbald mit einem neuen Markenzeichen: dem Logo der Landesstiftung von Rheinland-Pfalz. Trotz diverser Wandlungen seit 1995 hat dieses Logo immer eines verkörpert: musikalische Spitzenqualität in Nachwuchsförderung und Konzert. Und unwillkürlich hat Kurfürst Johann Philipp mit den Dimensionen einer ländlichen „Maison de Plaisance“, eines Lustschlosses zwischen Westerwald und Rhein, die perfekte Behausung für eine Kammermusik-Akademie geschaffen.

Rings um den Dianasaal

Wenn die Stipendiatinnen und Stipendiaten der Villa Musica zur Morgenprobe ins Robert Schumann-Studio eilen, sind sie sich kaum der Tatsache bewusst, dass just in diesem Raum Kurfürst Johann Philipp seine Morgenandacht verrichtete. Der große Probenraum in der Beletage befindet sich an der Stelle der ehemaligen Schlosskapelle. Wenn die Musiker von dort zum Konzert in den Dianasaal gehen, durchqueren sie das Rosenkabinett, einen Traum aus rosarotem Rokoko mit stuckierten Rosenknospen an den Wänden. Auf der anderen Seite des Saales begrüßen Akademieleiter Michael Rathmann und seine Mitarbeiterinnen das Publikum im Vier-Jahreszeiten-Zimmer, so benannt nach den Stuckreliefs in den Ecken des Gewölbes. Zu Walderdorffs Zeiten hätten dort nur ganz erlauchte Gäste Zutritt erhalten: im Vorzimmer des Kurfürsten, um auf Audienz zu warten.  Heute geht man von hier nach links in den Dianasaal oder nach rechts in das ehemalige Appartement des Kurfürsten mit Gemälden und Möbeln aus dem späten 18. Jahrhundert.

Im Herzen des Schlosses entfaltet seit 260 Jahren der Saal der Diana seinen Zauber – das bedeutendste weltliche Raumkunstwerk des Rokoko am Mittelrhein. Während für die einen das Raumerlebnis eher in der Akustik besteht, können die anderen ganz ungehindert ihre Blicke schweifen lassen: über den virtuosen Stuck und die atemberaubenden Fresken des Januarius Zick. Der üppige Raum trägt zur Festlichkeit des Konzerts ganz unwillkürlich bei und lässt die mehr als 100 Zuhörerinnen und Zuhörer noch glücklicher nachhause gehen, als es die Musik allein vermocht hätte. Solange hier noch die letzten beiden Kurfürsten von Trier beim „Déjeuner“ saßen, waren nur wenige standesgemäße Gäste zugelassen, und die Hofmusiker hatten mit Tafelmusik „aufzuwarten“.

Schlossbesichtigung an Sonn- und Feiertagen 14-17 Uhr

Der Zugang zu Schloss Engers war im höfischen 18. Jahrhundert durch das Hofzeremoniell geregelt, das in einem „Lustschloss“ allenfalls ein wenig gelockert werden durfte. Der Hofkapellmeister legte fest, welche Musiker hier wann zum Einsatz kamen. Heute bespricht die Künstlerische Leiterin Ervis Gega mit Akademieleiter Michael Rathmann, welche Stipendiatinnen und Stipendiaten zu welchem Projekt eingeladen werden. Die jungen Gäste, die zugleich die wichtigsten Ausführenden der Konzerte sind, werden im zweiten und dritten Obergeschoss in gemütlichen Zimmern untergebracht und wie ihre Dozentinnen und Dozenten in den nahen Restaurants und im Heinrich-Haus verpflegt.

Der kurfürstliche Tross, der einst die vielen kleinen Zimmer im Schloss belegte, hatte um 1760 deutlich anderen Charakter. Es waren die kurfürstlichen Jäger und Jagdgehilfen, die hier die alljährliche Rebhuhnjagd im September vorbereiten mussten. Heute hat allein die Musik im Schloss das Sagen. Die Jagdgöttin Diana thront zwar noch im Zentrum des Deckenfreskos von Zick über dem Festsaal, die Herrschaft im Schloss hat sie aber längst an ihren Bruder, den Musengott Apoll, abgetreten. Das heutige Publikum erwirbt sein Zugangsrecht durch Eintrittskarten, die von den Mitarbeiterinnen in den Villa Musica-Kartenbüros in Mainz und Engers verkauft werden, oft im direkten telefonischen Kontakt mit den Kund(inn)en. Im 18. Jahrhundert kamen nur die Spitzen der höfischen Gesellschaft und einige ausgewählte Kaufmannsfamilien aus der Stadt Koblenz in den Genuss, die „Hof-Musik-Akademie“ zu besuchen, was Kurfürst Clemens Wenzeslaus durch eine am 11. April 1768 publizierte „Rang-Ordnung“ strengstens regelte. Heute sitzen nicht mehr der „Landhofmeister, Obristkämmerer, Obermarschall, Oberstallmeister und Hofmarschall“ in der ersten Reihe, sondern Stammkunden und -kundinnen, die sich ihre Plätze direkt nach der Publikation des Jahresprogramms sichern.

Und moch ein Weg steht allen Interessierten frei, um die Prunkräume zu erleben: die Besichtigungen an Sonn- und Feiertagen, die man buchen kann (02622 / 9264117).