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Mitten im Geschehen: Tuuli Takala aus Finnland, Solistin der DRP unter Pietari Inkinen im Eröffnungskonzert von RheinVokal 2026 am 14.6. in der Koblenzer Rhein-Mosel-Halle (Foto: Maike Hessedenz).

RheinVokal Eröffnung

Auftakt nach Maß: die RheinVokal-Eröffnung 2026 mit der finnischen Sopranistin Tuuli Takala und der DRP unter Pietari Inkinen. Mythenklänge von Sibelius und Mahler.

Takala, Inkinen, DRP

Ob man sie nun im Live-Stream verfolgte oder live im Saal: die Eröffnung des Festivals RheinVokal 2026 wird lange im Gedächtnis haften, wirkten die betörenden Soprantöne der Finnin Tuuli Takala doch ebenso klangmächtig wie die Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern unter ihrem früheren Chefdirigenten Pietari Inkinen. Dass zeitgleich die deutsche Nationalmannschaft in Houston ihr 7:1 gegen Curaçao souverän unter Dach und Fach brachte, verlieh dem Abend in der Rhein-Mosel-Halle quasi einen Doppelsinn. Denn auch im Koblenzer Konzert stand es am Ende 7:1 für den Finnen Jean Sibelius im Direktvergleich mit dem Böhmen Gustav Mahler.

Mythenklänge von Sibelius

Wer würde das hierzulande für möglich halten? Die angeblich so nordisch kühle, weite Seenlandschaften suggerierende Musik des Finnen Jean Sibelius wirkte am 14.6. in Koblenz weitaus leidenschaftlicher, pulsierender und suggestiver als Mahlers Vierte Symphonie. Sieben Sibelius-Werke standen einem Mahler gegenüber – mit entwaffnender Frische. Schon die einleitende Symphonische Dichtung Opus 49 ließ das Publikum tief in die Mythenklänge des Nordens eintauchen, aber nicht abstrakt, sondern ganz konkret, anschaulich, hinreißend musiziert von der DRP unter dem Finnanen Inkinen. Dann die ersten Töne von Tuuli Takala: souverän in den Raum gestellt, trotz der großen Registerwechsel stets klangschön, das Finnische wie Schwedische zur Klang-Erzählung formend und sängerisch mit wunderbarem Sostenuto aufwartend - eine Entdeckung. Von Lied zu Lied wuchs im Publikum die Begeisterung, was sich nach den fünf Liedern schon in etlichen Bravos entlud. Zum Höhepunkt des Konzerts wurde dann aber Luonnotar, die „Tondichtung“ für Sopran und Orchester aus dem Jahr 1913 – ein wahrhaft großes Werk, überwältigend gestaltet von Tuuli Takala, über die man gerne in der Pause mehr erfahren hätte. Denn die Begeisterung des Publikums schlug der Sängerin in hohen Wellen entgegen. Stattdessen war der Pausenbeitrag auf SWR Kultur der Deutschen Radiophilharmonie gewidmet.

Mahlers Vierte

Nach der Pause meldete sich Sabine Fallenstein als wordstarke und bilderreiche Moderatorin zurück, um Mahlers Vierte Symphonie in vielversprechenden Metaphern anzukündigen. Nicht alles davon wurde durch die Interpretation eingelöst. Das Publikum wurde mit einer vollen Stunde klangsatten, schönen Mahlers verwöhnt: mal weichzeichnend im Cantabile, mal unbotmäßig hochfahrend in den lauten, ungehobelten Passagen, stets kultiviert und schön musiziert, aber vielleicht eine Spur unter der extremen Spanne dieser nur scheinbar heiteren Symphonie. Auch das berühmte Adagio wurde eher klangästhetisch schön und langsam auszelebriert als ausgereizt. So war es an Tuuli Takala, die himmlischen Freuden mit ihrem runden, dennoch fein geführten Sopran so anschaulich zu beschreiben, dass man den (Hinter-) Sinn Mahlers doch noch verstand. Großer Jubel nach einem langen Abend, der um 22:30 Uhr glanzvoll endete.

Sonntag, 14.6., 20 Uhr – Koblenz, Rhein-Mosel-Halle
Tuuli Takala, Sopran | Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern | Pietari Inkinen, Dirigent

Jean Sibelius
„Pohjolas Tochter“, Sinfonische Fantasie op. 49

Ausgewählte Orchesterlieder:
„Höstkväll“ („Herbstabend“) aus Fünf Lieder op. 38, bearbeitet für Singstimme und Orchester
„Illalle” („An den Abend“) aus Sieben Lieder op. 17
„Kaiutar“ („Die Echo-Elfe“) op. 72, Lied für Singstimme und Klavier
„Soluppgång“ („Sonnenaufgang“) aus Fünf Lieder op. 37
„Var det en dröm?“ („War es ein Traum?“) aus Fünf Lieder op. 37

„Luonnotar“, Tondichtung für Sopran und Orchester op. 70


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Gustav Mahler (1860 – 1911)
Sinfonie Nr. 4 G-Dur für Sopran und großes Orchester

1.8. Belcanto mit Chen Reiss in Rolandseck

Wer Chen Reiss bei ihrem grandiosen Liederabend Ende März im Bahnhof Rolandseck erlebt hat, wird auch ihren Sommer-Auftritt am 1. August im Arp Museum nicht versäumen wollen. Die Primadonna der Wiener Staatsoper stellt wie im letzten Jahr junge Opernstimmen vor, die sie in ihrer „Belcanto-Akademie“ unterrichtet. Ervis Gega hatte die Idee zu dem Projekt und konnte nach dem Riesenerfolg von 2025 den Weltstar leicht dazu überreden, noch ein zweites Mal junge Sängerinnen auf den großen Auftritt vorzubereiten. Im letzten Jahr war dieser Abend in der Sayner Hütte eine Sensation, nicht zuletzt, weil Chen Reiss selbst in zwei Nummern singend mitwirkte. Auch ihre charismatische Art, die Stars von morgen zu präsentieren, hat das Publikum in seinen Bann geschlagen. Das neue Programm fürs Arp Museum ist noch „top secret“ – ein Feuerwerk des Belcanto wird es in jedem Fall.

BELCANTO

Samstag, 1.8., 18 Uhr – Remagen, Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Chen Reiss präsentiert junge Opernstimmen in berühmten Arien, begleitet von Tom Zalmanov.
Arien von Mozart, Rossini, Bellini, Verdi und Puccini

2.8. Dorothee Oberlinger und Núria Rial in Bingen

Zum zweiten Mal nach 2024 wandelt Dorothee Oberlinger in Bingen auf den Spuren der Heiligen Hildegard: am 2. August im Hildegardzentrum auf dem Rupertsberg. Die geräumige neoromanische Kirche hatte sich schon vor zwei Jahren als idealer Raum für die unfassbare Flötenkunst der First Lady des Barock erwiesen. War damals ein junger Countertenor aus Linz ihr Partner, so ist es nun die spanische Sopranistin Núria Rial. Gemeinsam widmen sich die beiden den Verrücktheiten des Barock – von diversen „Follia“-Variationen über den süßen Schmerz der Liebe bei Monteverdi und Händel bis hin zu Vivaldis virtuosester Arie mit Flötensolo. Auch die Trio-Begleitung kann sich sehen und hören lassen: Hille Perl an der Gambe, Asis Asnar am Cembalo und der junge Chilene Yves Itier an der Barockvioline. Oberlinger- und Barock-Fans müssen sich beeilen: Ganze Blöcke im Auditorium sind schon ausverkauft!

La FOLLIA

Sonntag, 2.8., 18 Uhr – Bingen, Kirche im Hildegardzentrum auf dem Rupertsberg
Dorothee Oberlinger und Núria Rial mit Hille Perl und Ensemble
Arien und Kantaten von Händel, Strozzi, Monteverdi und Merula
Chaconnen und Follia-Variationen von Falconieri, Marais u.a.


16.8. Regina Mingotti in Bad Ems

Sie war die Anna Netrebko ihrer Zeit: die Primadonna Regina Mingotti. In Neapel geboren, in Graz aufgewachsen, eroberte sie die Bühnen Europas von Hamburg bis Neapel, von London bis Madrid. Notorisch für ihr selbstbewusstes Auftreten, legte sie sich mit der Männerwelt ihrer Zeit an und beherrschte vollendet die höfische Intrige. Claudia Eder erzählt ihr Leben nach authentischen, unveröffentlichten Briefen und anderen Quellen. Drei junge Opernsänger*innen werden von Christian Rohrbach am Flügel durch die schönsten Arien aus Mingottis Karriere geleitet. 

PRIMADONNA

Sonntag, 16.8., 18 Uhr – Bad Ems, Marmorsaal im Kurhaus
Junge Stimmen singen zur Klavierbegleitung von Christian Rohrbach.
Claudia Eder liest die Lebensgeschichte der Regina Mingotti.
Antonio Vivaldi: Arie aus Argenide (Graz 1745)
Johann Adolph Hasse: Arie aus Ipermestra (Dresden 1752)
Davide Perez: Arie aus Ezio (London 1755)
Andrea Bernasconi: Arie aus Semiramide (München 1765)
Wolfgang Amadeus Mozart: Tenorarien aus Idomeneo (München 1781)
Pompeo Sales: Arie und Duett aus Il Re pastore (Koblenz 1770)