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Boris Garlitsky mit seinen fantastischen Mitspielern in der Synagoge Mainz: Pianist Knut Hanßen. Geigerin Sophi Rochlin, Bratschist Samuel Rosenthal und Cellist Aleksey Shadrin (Foto: Maike Hessedenz).

Musik in Synagogen

Musik von Mendelssohn bis Schostakowitsch in den ehemaligen Synagogen in Ahrweiler und Wittlich und in der Neuen Synagoge Mainz.

Von Mendelssohn bis Schostakowitsch

Boris Garlitsky bewies einmal mehr seinen Sonderrang unter den Geigenprofessoren weltweit und unter den Dozenten der Villa Musica. Der Pariser Geigenprofessor sprang für seine Kollegin Yevgenia Pikovsky ein, die ihre Heimat Israel derzeit wegen des Krieges nicht verlassen kann. Dadurch änderte sich auch das Programm der drei Synagogen-Konzerte im April: Statt zeitgenössischer Musik aus Israel standen vorwiegend romantische Werke auf dem Programm.

In den einleitenden Quartettsätzen von Felix Mendelssohn baute Garlitsky eine wunderbar disziplinierte Spannung auf: von den zarten E--Dur-Variationen mit dem erregten Presto-Einschub über das ganz im Pianssimo verharrende, sommerlich irrlichtene Scherzo bis hin zur Fuge des Capriccio-Finales, die sich motorisch konsequent bis zum Höhepunkt steigerte. Garlitsky liebt diese späten Mendelssohn-Sätze, aus denen beinahe sein siebtes Streichquartett geworden wäre. Exzellent seine Mitspieler: die Geigerin Sophi Rochlin aus Israel, die mit der ersten Geige perfekt verschmolz, der amerikanische Bratschist Samuel Rosenthal, der mit klangsatten Soli hervortrat, und der ukrainische Cellist Aleksey Shadrin von der Kronberg Academy.

Wie Aleksey Shadrin anschließend die Romanzen Opus 94 von Schumann in puren Wohllaut verwandelte, singend und „sprechend“ in jedem Takt, in dichtester Phrasierung und klanglich zwischen Bariton, Tenor und Alt changierend, war ein Meisterstück für sich. Pianist Knut Hanßen tat es ihm am Blüthner-Flügel der Mainzer Synagoge gleich, so dass Schumanns „duftende Blumen“ ihren vollen Frühlingsreiz entfalteten.

Anschließend legte Knut Hanßen den Klanggrund für drei tief bewegende jüdische Violinsoli: Boris Garlitsky spielte die Baal Shem Suite von Ernest Bloch so bewegend und im FInale so mitreißend brillant, dass er die ersten Bravos im Publikum erntete. Am Ende des Klavierquintetts von Schostakwoitsch steigerte sich die Begeisterung bis zur vier „Vorhängen“ für die fünf Musiker, so zwingend hatten sie alle fünf Sätze des gewaltigen g-Moll-Quintetts aufgebaut: mit der Klanggewalt eines Bach-Präludiums den Anfang, transzendent im Klang, aber konsequent in der Reisensteigerung die atemberaubend dichte Fuge; im Scherzo die Entladung von rhythmischer Energie in russischen Gassenhauern und absurdem Klang, im Intermezzo ein schier endlos langes Meditieren der hohen Streicher über gehenden Bässen, im Finale doppelter Boden unter der G-Dur-Idylle. Am Ende gab es kein Halten mehr – dank der Brillanz von Knut Hanßen, der hellwachen Präsenz der jungen Streicher und der eisernen Disziplin von Boris Garlitsky eines der schönsten Synagogenkonzerte der letzten Jahre. 

Freitag, 17.4., 19 Uhr – Synagoge Ahrweiler
Samstag, 18.4., 19 Uhr – Synagoge Wittlich
Sonntag, 19.4., 17 Uhr – Neue Synagoge Mainz
Boris Garlitsky, Violine | Sophi Rochlin, Violine | Samuel Rosenthal, Viola | Alexey Schadrin, Violoncello | Knut Hanßen, Klavier
Felix Mendelssohn: Andante, Scherzo und Capriccio für Streichquartett, op. 81
Robert Schumann: Drei Romanzen für Cello und Klavier, op. 94
Ernest Bloch: Baal Shem Suite für Violine und Klavier
Dmitri Schostakowitsch: Klavierquintett g-Moll, op. 57