Beethoven mit Roth
Meisterwerke des jungen Beethoven mit Stargeiger Linus Roth und vier Stipendiat*innen – nicht nur in Hachenburg ein Ereignis.
Toskana in Hachenburg
Es war eine Burgenklassik-Eröffnung nach Maß: Die Altstadt von Hachenburg strahlte im Sommerabend-Licht wie ein Bergstädtchen in der Toskana. In der voll besetzten Schlosskirche hatte sich Kulturprominenz aus dem Westerwald, aus Mainz und Koblenz eingefunden. Staatssekretär Prof. Dr. Jürgen Hardeck eröffnete in gewohnt souveräner Manier die Villa Musica-Reihe mit Burgenkonzerten, gefördert von den FREUNDEN DER VILLA MUSICA e.V. Linus Roth bewies auf seiner Danca-Stradivari, dass die Weltspitze des Geigenspiels auch in Deutschland ein Zuhause hat. Und Prof. Ervis Gega durfte sich als Künstlerische Leiterin über die Leistung der vier fantastischen Stipendiat*innen freuen, die von Linus Roth so souverän geführt und musikantisch inspiriert wurden, dass keine Wünsche offenblieben.
Dass ausgerechnet bei diesem Konzert die Programmhefte des Abends in Schloss Engers liegen blieben, war ein bedauerlicher Lapsus, hätte das Publikum doch gerade zum Mittelstück des Programms mehr erfahren wollen. Zwischen Beethovens heitere Serenade für Streichtrio Opus 8 und sein strahlend schönes Streichquintett Opus 29 hatte der Augsburger Violinprofessor Linus Roth das erschütternde Adagio eines Genies des Fin de Siècle eingelegt: des Belgiers Guillaume Lekeu. Der schon mit 24 Jahren verstorbene Schüler von César Franck verarbeitete in zwölf vom Leiden durchtränkten Musikminuten das Jesuswort „Meine Seele ist betrübt bis an den Tod“ aus der Passion nach Matthäus. Jesu Gebetsringen in Gethsemane entfaltete vor Kanzel, Altar und Orgel der protestantischen Schlosskirche in Hachenburg eine noch viel stärkere Wirkung, als es am Vorabend im Mainzer Landesmuseum der Fall war.
Als Schlagschatten auf die sommerlich hellen Rahmenstücke von Beethoven war dieser Kontrast nötig, zeigte sich der Bonner Meister an diesem Abend doch einmal ganz von seiner rheinisch heiteren Seite. Die Serenade Opus 8 entstand 1796, das Streichquintett Opus 29 im Jahr 1800. Beide entfalteten in der souveränen, Funken sprühenden Interpretation durch Linus Roth und seine Mitspieler*innen die ganze Schönheit von Beethovens Pastoralklängen, aber auch den Wiener „Schmäh“ der ironischen Märsche und Tänze. Vollkommenes Glück an einem vollkommenen Sommerabend – auch im Mainzer Landesmuseum, auf Burg Trifels und in Kirchberg im Hunsrück.
Donnerstag, 17.7., 19 Uhr – Landesmuseum Mainz
Freitag, 18.7., 19 Uhr – Schlosskirche Hachenburg
Samstag, 19.7., 19 Uhr – Burg Trifels Annweiler
Sonntag, 20.7., 17 Uhr – Kirche St. Michael, Kirchberg im Hunsrück
Linus Roth, Violine | Junge Streicherinnen der Villa Musica Rheinland-Pfalz
Ludwig van Beethoven: Serenade D-Dur, op. 8
Guillaume Lekeu: Adagio für Streichquartett
Ludwig van Beethoven: Streichquintett C-Dur, op. 29