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Große Bühne für einen perfekten Winter aus den Vier Jahreszeiten: Ervis Gega an der Solovioline und die zehn Stipendiat(inn)en der Camerata Villa Musica am 3.12. in der Jugendstilfesthalle Landau (Foto: Oliver Kupilas).

Vivaldi im Advent

Fantastischer Start in Landau, grandiose Fortsetzung in Rolandseck, umjubelter Nikolausabend in der ausverkauften Steinhalle des Mainzer Landesmuseums und große Begeisterung im Kulturhaus Oberwesel: Die vier Jahreszeiten mit Ervis Gega und der Camerata Villa Musica auf Tournee durch Rheinland-Pfalz. Auch die zweite Woche mit Konzerten in Bingen, Hetdorf und Schloss Engers war ein einziger Triumph.

Mehr als 1100 begeisterte Vivaldi-Fans

Auftakt nach Maß und Triumphzug mit Vivaldi: 600 begeisterte Zuhörerinnen und Zuhörer in der Jugendstilfesthalle in Landau feierten unsere Künstlerische Leiterin, Prof. Ervis Gega, und ihre zehn Vivaldi-Schützlinge schon am 3.12. mit Bravos und nicht endenwollendem Applaus. Auch die folgenden sechs Abende lösten rückhaltlose Begeisterung aus: 200 frenetische Vivaldi-Fans im Arp Museum Bahnhof Rolandseck, 200 elektrisierte Zuhörerinnen und Zuhörer im Landesmuseum Mainz und 110 Besucher(inn)en im Kulturhaus Oberwesel. In Bingen waren es mehr als 160, in Herdorf mehr als 120 und in Engers 140 Musikbegeisterte, die sich vor Weihnachtsrührung bei der Stille Nacht-Zugabe kaum fassen konnten. Eine Rekord-Tournee mit mehr als 1500 Zuhörerinnen und Zuhörern. So erfolgreich war Vivaldi im Advent noch nie.

(Klang-) Farbendramaturgie für Vivaldi

Schon der Auftritt der Camerata Villa Musica war festlich genug und dramaturgisch durchdacht: links Ervis Gega in Schwarz am Konzertmeisterpult zusammen mit den fünf jungen Geigerinnen, jede in einer anderen Kleiderfarbe; in der Mitte das rote Cembalo der Villa Musica, rechts davon die Cellistin und Bratschistin in ihren eigenen Farben mit dem Kontrabassisten in Schwarz. Im Laufe der ersten vier Konzerte wechselten die jungen Streicherinnen zwar ihre Kleiderfarben, aber nicht ihren brillanten, zwischen Barock und Moderne die Waage haltenden Zugriff auf Vivaldis Musik – eine bravouröse Leistung, die dem Publikum den Klangluxus von sechs brillanten Geigen in den Oberstimmen bescherte, perfekt gelenkt, geleitet und im Winterkonzert regiert von Ervis Gega.

Die (Klang-) Farbendramaturgie zog sich durch alle vier Abende. Vor der Pause brachten zwei kurze Tutti-Konzerte die typische Vivaldi-Motorik in Schwung und verbreiteten den Glanz des Streicherklangs, zuerst im rustikalen G-Dur (Alla Rustica), dann im dunkel-chromatischen g-Moll. Als erste Solistinnen bewährten sich die Israelin Sophi Rochlin und die Wormserin Xixi Gabel im a-Moll-Doppelkonzert Opus 3 Nr. 8. Im Salve Regina RV 617 für Sopran, Solovioline und Streicher konzertierte Ervis Gega so feinsinnig barock mit der jungen Sopranistin Jeeho Park von der Mainzer Musikhochschule, dass Weihnachten quasi schon vor der Tür stand. Dabei spielte auch die Cellistin und Villa Musica-Stern-Preisträgerin Irena Josifoska ihre ganze Erfahrung als barock geschulte Continuoistin aus, in perfekter Abstimmung mit der Cembalistin Oksana Shnit und dem Kontrabassisten Daniel Kamien – der einzige Mann im sonst weiblich besetzten Orchester. Tabea Monzer fügte den Continuostimmen die klangvolle Bratsche hinzu. Auch für die Vier Jahreszeiten lieferte das Continuo-Bratschen-Quartett ein höchst agiles, rhythmisch präsentes Fundament, auf dem sich die vier Solo-Geigerinnen ganz nach Wunsch entfalten konnten. 

Vier Solistinnen für die vier Jahreszeiten

Nach der Pause also Le quattro stagioni: Ervis Gega leitete die Tuttistreicher souverän, mit der ganzen Erfahrung, die sie in Jahrzehnten als Konzertmeisterin der Klassischen Philharnonie Bonn gesammelt hat. Am Ende war sie auch die vierte Virtuosin im Solisten-Quartett. Giulia Rimonda aus Turin machte den Anfang. Sie spielte meisterlich den Frühling – elegant, brillant und in einer durchweg romantischen, von starkem Rubato und Vibrato geprägten Interpretation. Ganz anders Aoi Saito aus Tokio im Sommer: eher schlank und barock drahtig im Klang, unfassbar sicher in den schnellen Passagen und mit schönen Verzierungen im Adagio. Das Sommergewitter des Finales gelang den Musikerinnen so mitreißend, dass es Bravos aus dem Auditorium hagelte. Anschließend trat Elisso Gogibedaschwili aus Österreich für den Herbst auf und zeigte auf hinreißend bildstarke Weise, wie ein betrunkener Bauer torkelnd und lärmend das Entedankfest der Bauern stört. Im Finale wusste sie den fliehenden Hirsch in allen Volten und Sprüngen so agil und wendig darzustellen, dass im Publikum wieder große Begeisterung herrschte. Als krönenden Abschluss spielte Ervis Gega den Winter souverän in Bogenstrich, Klang und Ausdruck, mitreißend im stürmischen Nordwind des ersten Satzes, elegant und weit geschwungen im Eislauf-Finale. Die berühmte Kantilene des Largo ließ sie in klassischer Schönheit aufblühen und feuerte zum Schluss das ganze Ensemble zum letzten furiosen Unisono an. Danach war kein Halten mehr: Die Jugendstilfesthalle in Landau jubelte einmütig, der Festsaal im Bahnhof Rolandseck brach fast zusammen vor Begeisterung, die Mainzerinnen und Mainzer spendeten Bravos und langen Applaus, ebenso das Publikum in Oberwesel, Bingen, Herdorf und Engers.

Stille Nacht zum Mitsingen

Die Musikerinnen bedankten sich mit einer Hollywood-reifen Version von Stille Nacht – und überall wurde mitgesungen. Die Weihnachtszugabe, begleitet von mancher Träne, beendete vier perfekte Konzertabende in wunderschönen Sälen vor warmherzigem Publikum mit einer Interpretation, die in ihrer sprechenden Ausdruckskraft noch lange nachhallen wird. 

Mi, 3.12., 20 Uhr – Jugendstilfesthalle Landau

Fr, 5.12., 18 Uhr – Arp Museum Bahnhof Rolandseck (ausverkauft)
Sa, 6.12., 19 Uhr – Landesmuseum Mainz (ausverkauft)
So, 7.12., 17 Uhr – Kulturhaus Oberwesel (ausverkauft)

Fr, 12.12., 19 Uhr – Villa Sachsen Bingen (ausverkauft)
Sa, 13.12., 20 Uhr – Hüttenhaus Herdorf
So, 14.12., 17 Uhr – Schloss Engers, Neuwied-Engers (ausverkauft)

Ervis Gega, Solovioline und Leitung | Jeeho Park, Sopran | Stipendiatinnen der Villa Musica
Antonio Vivaldi: Die vier Jahreszeiten, op. 8 Nr. 1-4
Concerto G-Dur Alla rustica, RV 151
Doppelkonzert a-Moll, op. 3 Nr. 8
Salve Regina, RV 617
Concerto g-Moll, RV 156